Ja ist denn heut‘ noch Fäsch’nwiek?

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Heute Morgen stieg ein Herr in der U2 zu, der wohl Mitte 50 und vermutlich Künstler ist, oder eine Künstlerseele in ihm ruht. Angewidert vom Anblick der profanen Mitreisenden, die im Einheitsgrau des mittelmodischen Segments die Verkehrsmittel des morgendlichen Berufsverkehrs verstopfen, stand er da: Fleischgewordene Skupltur mit Hut.

Der Hut in dunkelstem Anthrazit gehalten bekrönte das graue Haupthaar, das farblich mit der Haut korrespondierte. Die Brille, die in ihrer Form an Schweißer- oder Hochgebirgsbrillen der 1950er Jahre erinnerte, die aber mit den blauverspiegelten Gläsern und der verchromten Scheuklappe ganz sicher nicht solch schnöden Dingen, wie Schweißen oder Bewegung in der Natur dienen soll.

Blickfang und zentraler Dreh- und Angelpunkt war ein naturfarbener Ledermantel dessen Kragen, Ärmelenden und Saum mit Fell besetzt war. Aber nicht irgendein Fell, sondern das Haar eines blondierten Wookiee. Das Leder war mit zarten asiatisch anmutenden Ranken-, Blattwerk- und Vogelstickereien reich verziert und passte so gar nicht in das Heer der anwesenden Funktionsjacken.

Jeans und schneeweiße Turnschuhe oder Sneaker, wie man heute so schön sagt, deren Hersteller sich mir nicht einprägten, bildeten den Sockel der Plastik.

Ja ist denn heut‘ noch Fäsch’nwiek?

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Über lampersdorff

Politikwissenschaftler und Historiker. Irgendwas mit Bundeswehr und Ministerialbürokratie.

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